Panorama Johannisberg
Historisches und Wissenswertes

über Johannisberg

Schloss Johannisberg ist weithin sichtbar auf dem ehemaligen Bischofsberg gelegen. Im Jahr 1775 wurde hier durch einen Zufall die „Spätlese“ entdeckt. Damals gehörte das Schloss dem Bischof von Fulda und der musste die Lese der Trauben immer erst erlauben. Der Reiter, der die Botschaft mit der Erlaubnis zur Lese brachte, kam jedoch viel zu spät in Johannisberg an und viele Trauben waren schon faul. Der Wein wurde durch diese Edelfäule aber besonders gut. An dieses Ereignis erinnert noch heute das Denkmal des Spätlesereiters im Hof des Schlosses. Johannisberg ist auch heute noch für seine Spitzenweine bekannt.




Historischer Exkurs zu Johannisberg von Wolfgang Blum

„Mon Dieu, wenn ich doch soviel Glauben in mir hätte, daß ich Berge versetzen könnte: Der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe!" Kein Geringerer als Heinrich Heine, der revolutionäre Dichter der Vormärzzeit des 19. Jahrhunderts, schrieb diese Hommage an Johannisberg. Er befand sich dabei in guter Gesellschaft – Johann Wolfgang von Goethe Bettina und Clemens Brentano, Achim von Arnim und viele andere hatten zuvor schon den rebbestockten Hang gepriesen.

Die Keimzelle des Ortes bildet das Kloster auf dem „Bischofsberg“. Dessen Anfänge reichen in das Jahr 1106 zurück, als der Mainzer Erzbischof Ruthardt auf seinem Grund und Boden ein Kloster anlegen ließ, das ursprünglich dem heiligen Nikolaus, kurz darauf jedoch Johannes dem Täufer geweiht wurde. Von der Gemeinde Johannisberg waren wahrscheinlich vor der Klostergründung nur Anfänge im heutigen Grund vorhanden. In einer Urkunde Ludwigs des Frommen aus dem Jahr 817 wird der Ort „Elisa“ erwähnt, den man am Fuß des Berges nahe dem Elsterbach vermutet.

Das Kloster auf dem Johannisberg war zunächst der Mainzer Abtei St. Alban unterstellt. Es erlebte bereits in den ersten beiden Jahrhunderten des Bestehens seine Blütezeit. Die Mönche sorgten dafür, dass sich Wein- und Weihrauchdüfte vermischten. In der Folge setzten die Schrecken des Bauernkrieges (1525) und die Verwüstungen des Klosters durch den Markgrafen Albrecht Aleibiades (1552) der Abtei schwer zu.

Ein Neubeginn ergab sich 1716, als der Fürstabt von Fulda die Gebäude kaufte und anstelle des Klosters das jetzige Schloss errichten ließ. Johannisberg war von nun an Weinbaudomäne in geistlicher Hand, bis es im Zuge der Säkularisierung in weltlichen Besitz überging. Auf dem Wiener Kongress (1815) geriet die Domäne in den Besitz Österreichs. Staatskanzler Fürst Clemens von Metternich, dessen Nachfahren das Schloss bis ins 21.Jahrhundert bewohnten, bekam es als Belohnung für seine politischen Verdienste. Die Verpflichtung, den Zehnten der Weinernte an die Familie Habsburg zu liefern, gilt bis heute.

Die Einwohner des Dorfes lebten früher vornehmlich vom Weinbau. Der Weinhandel war damals durch eine Besonderheit geprägt, die heute als kurios empfunden wird: Es bestand ein Zwang zur Gabelung der guten und der geringen Weine. Wer ein Fass vorzüglichen Weines kaufen wollte, musste zugleich ein Fass geringer Güte erwerben.

Bei einem Spaziergang auf dem Johannisberger Weinwanderweg wird manches „Geheimnis“ um den Johannisberger gelüftet. Hierzu gehört auch die berühmte Schilderung von der zufälligen Entdeckung der Spätlese im Jahr 1775. Damals hatte sich der Herbstkurier verspätet, der alljährlich die Weinleseerlaubnis in Fulda einholen musste. Als der sehnsüchtig erwartete Reiter schließlich doch noch eintraf, schien es für einen guten 1775er zu spät. Die verzweifelte Verwaltung ließ die faulen Trauben trotzdem ernten. Umso mehr wunderten sich Kellermeister, als sie den Wein im Frühjahr probierten: „Solchen Wein habe ich noch nicht in den Mund gebracht“, bekundeten sie erstaunt.

Josef Staab, langjähriger Verwalter des Schlossweingutes, und sein Vorgänger Christian Labonte haben die Geschichte vom Spätlesekurier durch Quellenangaben überprüfbar gemacht. Staab publizierte unter anderem die Akten des Mainzischen Hofkammersekretärs Degenhardt aus den Jahren 1786 bis 1788, worin dieser sich zu einer Qualitätssteigerung durch einen späteren Lesetermin äußert: „Bis hierher hienge alle Jahre die Weinleße meistens vom Geschreie des gemeinen Volkes ab, und noch herrscht das alte Vorurtheil, daß wenn der Gallustag (16. Oktober) einfällt, die Laße müsse vorgenommen werden, dagegen die Laße in dem Fürstlich Fuldischen Weinberge auf dem Johannisberg alle Jahre so lang hinausgeschoben wird, bis alle Trauben im ganzen Lande in die Keller schon eingekältert sind. Ein Ohngefähr wie bekannt hat denen Fulder Johannisberger diesen Vortheil entdeckt, wodurch sie einen wahren Auszug von Wein erhalten, und nun haben sie vor allezeit das spatläßen zum Gesetze gemacht ... "

Zu denjenigen, die ihr Herz an Johannisberg verloren, gehörte auch Niklas Vogt, dessen Grab sich an der Nordseite der Schlosskirche befindet. Der Rheinromantiker schwärmte: „Der Weg auf den Johannisberg wird allmählich zum schmalen und mühsamen Pfad, man steigt zwischen den Weinreben hinauf und steht nun vor dem schönen neuen Schlosse, das eine der schönsten Aussichten des Rheingaus beherrscht. Wahrlich, diese Stelle verdient es, der Tempel des deutschen Weingottes zu sein! Vor sich hat man den Rheingau, in einer sanften Krümmung hingedehnt, den Rhein mit Inseln besät, dessen Wogen hier wie Silber funkeln und dort von den tiefen Schatten überhängender Felsen und Bäume bedeckt werden ...“

In den Weinbergen oberhalb von Johannisberg steht Schloss Hansenberg, in dem seit 1993 die Internatsschule Schloss Hansenberg untergebracht ist. Ursprünglich wurde es 1823 von dem Pädagogen und Pestalozzi-Schüler Johannes de Laspee als Armen- und Waisenhaus geplant.

In der Nähe ließ die Familie Mumm von Schwarzenstein, die mit Johannisberger Weinen gute Geschäfte machte, 1873 eine künstliche Ruine mit Park errichten. Die Anlage besteht aus einem Rundturm, einem Salon und einer Veranda in gotischer Architektur. Heute wird das Ensemble, zu dem ein moderner Neubau gehört, als Hotel und Sterne-Restaurant genutzt.

Beachtung lenkt auch das Immaculatakloster an der Abzweigung der Straße nach Marienthal auf sich. Es wurde um 1850 als Sanatorium erbaut, 1920 an die Benediktinerinnen der ewigen Anbetung verkauft und danach jahrzehntelang als Altenheim betrieben. Heute beheimatet es ein Hotel-Restaurant.



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