Marienthal

Der Stadtteil und Wallfahrtsart Marienthal, nur 3 km von der Talstadt entfernt, liegt zwischen Weinbergen und Wäldern. Durch das gleichnamige Wallfahrtskloster des Franziskanerordens bekannt geworden und jährlich Ziel vieler tausend Pilger, hat sich Marienthal in den letzten Jahren zu einem beliebten Ausflugsort entwickelt. Die Gäste finden hier geruhsame Erholung bei ausgedehnten Spaziergängen in den weiten, schattige Wäldern und angenehm temperierten Wiesentälern und in den gepflegten Gutsschänken.
 
Marienthal in seiner heutigen Form entstand unter dem Einfluss des Hessenplanes, der im Januar 1951 verkündet wurde. Der Ort ist eine reine Wohnsiedlung. Handel und Gewerbe sind nur spärlich vorhanden. Vielleicht ist das der Grund, warum sich Gäste in Marienthal besonders wohl fühlen. Das gastronomische Angebot (ein Tagungshotel, ein Speiselokal und fünf Gutsschänken) locken nicht nur Einheimische und Tagesausflügler, sondern auch Langzeitgäste.
 
Die historische Keimzelle des Ortes lag etwa 400 Meter südöstlich von Kloster Marienthal im Elsterbachtal. Die Wüstung "Düppenhausen" entstand ursprünglich als Töpfersiedlung. Sie ist zwar urkundlich erst seit Mitte des 15. Jahrhunderts belegbar; die ausgegrabenen Erzeugnisse der Töpfereien weisen sie aber schon für die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts nach. Gebrannt wurden Kugel- und Wölbetöpfe, Kannen, Schalen, Trinkbecher; in geringer Zahl auch Rohre und Ziegel. Seit dem 15. Jahrhundert erscheint der Hof Düppenhausen als kleine adlige Grundherrschaft, zu der auch noch die Kapelle in Marienthal gehört. Trotz dem nun einsetzenden Aufschwung der Wallfahrtsstätte geht die Bedeutung von Düppenhausen stufenweise verloren. Im Laufe der Jahrhunderte verschwindet der Hof völlig aus den Gemarkungskarten. Die Kreuzigungsgruppe (links) und eine Station des Leidensweges Christi (unten) künden von der Bedeutung Marienthals als Wallfahrtsort. Heute ist das nahe Kloster Wahrzeichen des Ortes. Die Anfänge des Klosters liegen im Verschwommenen der Legende. Erste Nachrichten sind aus dem Jahr 1330 bekannt. Die Marienthaler Wunderchronik berichtet von allerlei seltsamen Ereignissen, die von dem Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes bewirkt sein sollen. Aus dem 17. Jahrhundert ist das letzte Wunder schriftlich überliefert: "Anno 1658 hat Anna Maria Straussin von Rüdesheim die erwünschte Gnade durch Fürbitt der Mutter der göttlichen Gnaden von Gott erhalten / daß ihr zuvor lahmes Töchterlein in der Kirchen bey diesem Gnadenreichen Vesperbild seine gerade Glieder ohne einigem Gebrechen wieder erhalten".
 
1465 zogen die Brüder vom Gemeinsamen Leben in Marienthal ein. Sie begründeten den Ruf des Klosters als eine der ersten Druckereien der Welt. Nachdem der Jesuitenorden, dessen Mönche das Kloster 1612 erworben hatten, 1773 aufgelöst wurde, verfielen die Gebäude zusehends. Erst unter der Initiative des aus Geisenheim gebürtigen Limburger Bischofs Blum entstand die Wallfahrtsstätte 1857/58 neu. Die Jesuiten kehrten kurzzeitig zurück, bevor die Franziskaner einzogen. Sie sind bis heute in Marienthal geblieben.
Letzte Änderung: 02.09.2011 07:13 Uhr