Den malerischen Ortskern des historischen Weindorfes Johannisberg sollten Sie auf sich wirken lassen. Beherrschend auf der Anhöhe zeigt sich Schloß Johannisberg, Zentrum der Geschichte des Weinbaus.

Der Stadtteil Johannisberg ist seit 1966 mit der französischen Weinbaugemeinde PULIGNY-MONTRACHET/Burgund verschwistert.

"Mon Dieu, wenn ich doch soviel Glauben in mir hätte, daß ich Berge versetzen könnte: Der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe!".   Kein Geringerer als Heinrich Heine, der revolutionäre Dichter der Vormärzzeit des vergangenen Jahrhunderts, schrieb diese Liebeserklärung an Johannisberg. Er befand sich dabei in werter Gesellschaft- Goethe, Bettina und Clemens Brentano, Achim von Arnim und viele andere hatten zuvor schon den rebbestockten Hang gepriesen. Sie sind herzlich eingeladen, es den Dichterfürsten vergangener Jahrhunderte gleichzutun und den besonderen Charakter des historischen Weindorfes kennenzulernen.

Ausgangspunkt der heute dreigeteilten Siedlung (Grund, Berg, Schloßheide) ist das Kloster auf dem "Bischofsberg". Die Anfänge reichen auf das Jahr 1106 zurück, als der Mainzer Erzbischof Ruthardt auf seinem Grund und Boden ein Kloster anlegen ließ, das ursprünglich dem heiligen Nikolaus, wenig später jedoch Johannes dem Täufer geweiht wurde. Von der Gemeinde Johannisberg waren wahrscheinlich vor der Klostergründung nur Anfänge des Ortsteiles "Grund" vorhanden. In einer Urkunde Ludwigs des Frommen aus dem Jahr 817 wird der Ort "Elisa" erwähnt, den man am Fuß des Berges nahe dem Elsterbach vermuten muß. Das Kloster auf dem Johannisberg war zunächst der Mainzer Abtei St. Alban unterstellt. Es erlebte bereits in den ersten beiden Jahrhunderten des Bestehens seine Blütezeit. Die Mönche sorgten dafür, daß sich Wein- und Weihrauchdüfte vermischten. In der Folge setzten die Schrecken des Bauernkrieges (1525) und die Verwüstungen des Klosters durch den Markgrafen Albrecht Aleibiades (1552) der Abtei schwer zu.

Ein Neubeginn ergab sich 1716, als der Fürstabt von Fulda die Gebäude kaufte und statt des Klosters das jetzige Schloss errichten ließ. Johannisberg war von nun an Weinbaudomäne in geistlicher Hand, bis es im Zuge der Säkularisierung in weltlichen Besitz überging. Auf dem Wiener Kongress (1815) geriet die Domäne in den Besitz Österreichs. Staatskanzler Fürst Clemens von Metternich, dessen Nachfahren das Schloss noch heute bewohnen, bekam es als Belohnung für seine politischen Verdienste. Die Verpflichtung, den Zehnten der Weinernte an die Familie Habsburg zu liefern, gilt bis heute. Die dörfliche Entwicklung ging vom Siedlungsplatz auf dem Berg aus, der durch das nahe Kloster bestimmt war. Die Einwohner lebten früher vornehmlich vom Weinbau. Wegen der zentralen Bedeutung dieses Erwerbszweiges für die Lebensverhältnisse der Johannisberger hing vieles vom guten Absatz des Weines bei vorteilhaftem Preis ab. Der Weinhandel war durch eine Besonderheit geprägt, die heute als kurios empfunden wird: Es bestand ein Zwang zur Gabelung der guten und der geringen Weine. Wer ein Fass vorzüglichen Weines kaufen wollte, musste ein ebensolches Fass geringer Güte miterwerben.

Der Weinbau hat den Namen Johannisberg in aller Welt berühmt gemacht. Er prägt nach wie vor das Ortsbild und das Gesicht der Landschaft. Bei einem Spaziergang durch die Gemarkung auf dem Johannisberger Weinwanderweg wird manches "Geheimnis" um den Johannisberger gelüftet. Hierzu gehört auch die berühmte Schilderung von der zufälligen Entdeckung der Spätlese im Jahr 1775. Damals hatte sich der Herbstkurier verspätet, der alljährlich die Weinleseerlaubnis in Fulda einholen musste. Als der sehnsüchtig erwartete Reiter schließlich doch noch eintraf, schien es für einen guten 1775er zu spät. Die verzweifelte Verwaltung erntete die in Fäulnis übergegangenen Trauben trotzdem. Um so mehr erstaunten die Kellermeister, als sie den Wein in den darauffolgenden Jahren verkosteten. "Ächte Kenner" bekundeten zu jener Zeit: "Solchen Wein habe ich noch nicht in den Mund gebracht". Josef Staab, langjähriger Schloßweingutsverwalter und sein Vorgänger Christian Labonte haben die Geschichte vom Spätlesekurier durch Quellenangaben überprüfbar gemacht. Staab publizierte unter anderem die Akten des Mainzischen Hofkammersekretärs Degenhardt aus den Jahren 1786 bis 1788, worin dieser sich zu einer Qualitätssteigerung durch einen späteren Lesetermin folgendermaßen äußert: "Bis hierher hienge alle Jahre die Weinleße meistens vom Geschreie des gemeinen Volkes ab, und noch herrscht das alte Vorurtheil, daß wenn der Gallustag (16. Oktober) einfällt, die Laße müsse vorgenommen werden, dagegen die Laße in dem Fürstlich Fuldischen Weinberge auf dem Johannisberg alle Jahre so lang hinausgeschoben wird, bis alle Trauben im ganzen Lande in die Keller schon eingekältert sind. Ein Ohngefähr wie bekannt hat denen Fulder Johannisberger diesen Vortheil entdeckt, wodurch sie einen wahren Auszug von Wein erhalten, und nun haben sie vor allezeit das spatläßen zum Gesetze gemacht. Dieß Beispiel nachzuahmen ist ganz unmöglich, solange noch gemeine Weine im Lande erzogen werden, die freilich das spatläßen nicht aushalten könnten, und selbst war ich oft Zeuge, daß der K. Beamte zu Rüdesheim von dem gemeinen Volke wahre Grobheiten und Ungezogenheiten mit Stillschweigen anhören mußte, wenn er sich nicht noch größeren Ausgelassenheiten aussetzen wollte, als er damals zum Wohl der Güterbesitzer und des allgemeinen die Laße im Berge so lange als möglich hinausschobe. Das allgemeine Volk will nur viel, und siehet das Vortheilhafte nicht ein ... "

Dies hat sich mittlerweile in Geisenheim und Johannisberg radikal geändert. Nirgendwo in Deutschland ist der Anteil an qualifizierten Weinbaubetriebsleitern so hoch wie im Rheingau. Dies ist zweifellos ein Verdienst der Geisenheimer Fachhochschule für Wein-, Obst und Gartenbau sowie der Eltviller Weinbauschule. Hier erhalten die jungen Winzer die fachlichen Grundlagen, um die hervorragenden Geisenheimer und Johannisberger Weine sauber auszubauen. Die Entdeckung der Edelfäule leitete 1775 das Zeitalter der Prädikatsweinerzeugung ein. Dabei spielte Johannisberg eine herausragende Rolle, der es auch heute noch gerecht wird. Zu denjenigen, die ihr Herz an Johannisberg verloren, gehörte auch Niklas Vogt, dessen Grab sich an der Nordseite der Schlosskirche befindet. Der Rheinromantiker schwärmte: "Der Weg auf den Johannisberg wird allmählich zum schmalen und mühsamen Pfad, man steigt zwischen den Weinreben hinauf und steht nun vor dem schönen neuen Schlosse, das eine der schönsten Aussichten des Rheingaus beherrscht. Wahrlich, diese Stelle verdient es, der Tempel des deutschen Weingottes zu sein! Vor sich hat man den Rheingau, in einer sanften Krümmung hingedehnt, den Rhein mit Inseln besät, dessen Wogen hier wie Silber funkeln und dort von den tiefen Schatten überhängender Felsen und Bäume bedeckt werden. Zahllose Flecken und Dörfer und Landhäuser und Klöster erheben sich, bald halb in Tälern versteckt, bald zwischen lieblichen Auen, bald zwischen den Bäumen der Berge. Einsam trauern zerfallene Ritterburgen auf nackten Felsen, die den frohen Ruf der Vorüberschiffenden hundertfach zurückhallen. Die Ferne verschwimmt in unbestimmten Umrissen und wiegt Herz und Phantasie in ein stilles Sehnen nach dem Unbekannten, das uns wehmütig ergreift wie das beginnende Weh der Heimat.

In den Weinbergen oberhalb von Johannisberg steht Schloss Hansenberg, in dem die Internatsschule Schloss Hansenberg untergebracht ist. Es geht auf das Jahr 1823 zurück. Ursprünglich wurde es von dem Pädagogen und Pestalozzi-Schüler Johannes de Laspee als Armen- und Waisenhaus geplant. In der ehemaligen Flur "Apfelbaumrech" ließ sich die Familie Mumm von Schwarzenstein, die mit Johannisberger Weinen große Geschäfte machte, 1873 eine künstliche Ruine mit Park errichten. Sie erhielt den Namen "Schwarzenstein", der fortan auch für die umliegenden Weinberge üblich wurde. Die malerische Anlage besteht aus einem Rundturm, einem Salon und einer langen Veranda in gotischer Architektur. Heute wird das Gebäude als Gutsausschank genutzt. Weitere Beachtung lenkt das Immaculatakloster an der Abzweigung der Straße nach Marienthal auf sich, das um 1850 als Sanatorium erbaut, 1920 an die Benediktinerinnen der ewigen Anbetung verkauft wurde und heute noch als religiöses Zentrum genutzt wird.

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