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04.02.201219.33 Uhr 2. CMC-Kappensitzung
04.02.201219.33 Uhr 4. JCV-Kappensitzung
Mo, 02-6-2012
06.02.201214.00 Uhr Sitzgymnastik für Senioren
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Geisenheim
Die Siedlung Geisenheim kann auf eine 1500-jährige Geschichte zurückblicken. Am Ende der Völkerwanderungszeit wurde sie um 500 von Franken an der Mündung des heutigen Blaubachs gegründet, was durch den Fränkischen Friedhof hinter dem Rathaus belegt ist. Als Gisenheim erscheint der Ort erstmals in einer Urkunde des Jahres 772 zusammen mit der ersten Nennung des Rheingaus (Rinechgowe). Aber erst 1864 ist die Gemeinde zur Stadt erhoben worden. Heute gehören die Stadtteile Marienthal (nach dem Krieg als Ausbausiedlung entstanden), Johannisberg (aufgrund des freiwilligen Zusammenschlusses seit 31. Dezember 1971) sowie Stephanshausen (seit der kommunalen Gebietsreform am 1. Januar 1977) zur Kommune.
Im Mittelalter bildeten Weinbau, Handel und Verkehr die Säulen des Erwerbslebens in Geisenheim. Der Ort lag günstig am Anfangspunkt des so genannten Kaufmannsweges, der über Rüdesheim und den Kammerforst hinunter nach Lorch führte und dabei die gefährlichen Stromklippen im Binger Loch umging. In diesem Zusammenhang ist der Pfefferzoll zu erwähnen, der seit 1194/98 in Geisenheim nachweisbar, aber wahrscheinlich sehr viel älter ist. Er war im frühen Mittelalter die einzige Zollstelle im Rheingau und eine der ältesten am gesamten Rheinlauf. Jedes Schiff, das den Strom herauf- oder hinabfuhr, musste ein Pfund Pfeffer als Zoll entrichten. Eine ähnliche Abgabe wurde sonst nirgendwo erhoben, obwohl zeitweise bis zu 62 Zollstätten am Rhein bestanden.
Die Bedeutung Geisenheims in früheren Jahrhunderten lässt sich an zahlreichen historischen Bauwerken dokumentieren, die man auf einem Rundgang kennen lernen kann. Wir starten am Bahnhof, von wo aus der Blick auf Schloss Schönborn inmitten eines vier Morgen großen Weinbergs fällt. Die Herren von Stockheim haben den Renaissancebau um 1550 errichten lassen. Das Schlösschen präsentiert sich im Stil des offenen Herrenhauses mit achteckigem Treppenturm, einem Erker aus Fachwerk und vier Ecktürmchen. Erzbischof Johann Philipp von Schönborn, dessen Bruder Erwein das Anwesen 1651/52 erwarb, hat maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Westfälischen Friedens (1648) gehabt. Der Erzbischof hielt sich im Sommer gerne zu Besuch im Schloss auf und wallfahrtete von hier aus barfuß nach Nothgottes. Die Schönborn-Familie war in Geisenheim reich begütert; die „Schönborn'sche Aue“ trägt heute noch ihren Namen. Das Schloss ist noch immer im Besitz der Grafen von Schönborn-Wiesentheid. Die unteren Räume stehen für Veranstaltungen aller Art, wie Betriebs- und Familienfeiern, aber auch öffentliche Versammlungen, zur Verfügung.
Am Hofeingang vorbei gelangt man auf der Winkeler Straße bis zum Römerberg. Das Gässchen entlang dem idyllischen Blaubach geleitet uns zur Kirchstraße, in die wir nach links einbiegen. An der nächsten Kreuzung geht es nach rechts in die Brennofensiedlung und zur Uferstraße, von wo aus wir an den Beginn der Zollstraße gelangen. Das Erkerhäuschen mit der Jahreszahl 1618 — im Volksmund "Pfefferzoll" genannt - erinnert an die eingangs erwähnte Abgabe früherer Jahrhunderte, die von vorbeifahrenden Handelskähnen zu zahlen war.
Wer der Zollstraße folgt, gelangt zum Pfarrhaus , einem stattlichen Fachwerkbau von 1656, und zum Rheingauer Dom. Der Chor und die ersten vier Joche des Langhauses wurden von 1510-1518 errichtet. Das Langhaus wurde 1837-1839 um zwei Joche und die Orgelempore erweitert und die neugotischen, 46 m hohen Westtürme wurden angefügt.
Der weiträumige „Bischof-Blum-Platz“ trägt seinen Namen nach dem in Geisenheim geborenen Peter Joseph Blum, der 1842 der dritte Bischof des 1827 gegründeten Bistums Limburg wurde. Wir wenden uns nun nordwärts und gelangen durch die Fußgängerzone hinauf zum Lindenplatz.
Der Platz ist seit Urzeiten der Ortsmittelpunkt der Siedlung. Er wird beherrscht von der rund 700 Jahre alten Sommerlinde, einem Natur- und Kulturdenkmal ersten Ranges. Unter diesem Baum versammelten sich im Mittelalter die Gemeinde, die Schöffen oder der Rat, um in Rats- oder Gerichtssitzungen die öffentlichen Angelegenheiten zu regeln. Neben dem Dom ist die Linde der Stolz und das zweite Wahrzeichen der Stadt. In ihrem Schatten errichtete man im hohen Mittelalter das 1481 nachweisbare Rathaus als schmucken Fachwerkbau, der in seinem Innern ein Fresko mit einer Gerichtsszene enthielt. 1853 wurde das inzwischen altersschwach gewordene und als „Verkehrshindernis“ empfundene Gebäude abgerissen und der auf Plänen von Philipp Hoffman beruhende Neubau des heutigen Rathauses mit der repräsentativen Loggia errichtet (1855/57). Der von wildem Wein umrankte Massivbau ist 1985 renoviert worden. Nicht weit dahinter in der Beinstraße findet man den Kulturtreff "Die Scheune", ein altes Kelterhaus aus dem 16. Jahrhundert, das restauriert wurde und jetzt als Stadtbücherei und Kulturtreff dient. Dort ist auch das 2007 bis 2009 sanierte "Bachelin-Haus" zu finden, ein um 1700 gebautes barockes Bürgerhaus, in dem einzigartige handbemalte Papiertapeten mit Blumenmotiven aus dem 19. Jahrhundert die Zeit überdauert haben. In diesem, mit hohem denkmalschutzrechtlichen Aufwand sanierten Gebäude, befindet sich das Bürgerbüro.
Vom Lindenplatz spazieren wir über die Rüdesheimer Straße zum Ursulinen-Platz und blicken auf das Palais Ostein, einen von dem Grafen Karl Maximilian von Ostein 1766-71 erbauten, ursprünglich hufeisenförmigen stattlichen Sommerpalast, dessen Mittelteil 1811 abgerissen wurde. Das Palais ist heute neben dem sich anschließenden Eberbacher Hof (Wappen von 1705 im Torbogen) und dem Kronberger Hof (1581) Teil des Ursulinen-Gymnasiums. Bis 1996 war das Palais Ostein außerdem Internat für Mädchen mit zeitweise fast einhundert Pensionärinnen. Gegenüber verdeckt der Neubau der Rheingauschule, des zweiten Gymnasiums in der Stadt, das ältere, querstehende Schulgebäude aus dem Jahr 1928.
Auf der Rüdesheimer Straße gelangen wir schließlich am neu erbauten Schulzentrum vorbei zur Villa Monrepos, die sich Generalkonsul Eduard von Lade 1861/73 als Alterssitz erbauen ließ. Wir kehren auf der Straße zurück bis zu dem hochragenden heute so genannten „Altbau“ der St. Ursula-Schule von 1904 und dem langgestreckten „Neubau“ von 1966, biegen nach Norden in die Von-Lade-Straße ein und spazieren in den Park der 1872 von Eduard von Lade gegründeten „Königlichen Lehranstalt für Obst- und Weinbau“, heute Forschungsanstalt und Fachhochschule. Wenn wir die Anlage in nordöstlicher Richtung durchqueren, erreichen wir bald die Falterstraße, die wenige Meter danach von der Hospitalstraße gekreuzt wird. Von hier lohnt ein kurzer Besuch des Ehrenfriedhofs der Lindenstadt.
Unser Weg führt uns nun am Nordring entlang unterhalb des Rothenberges bis zur Einmündung der Behlstraße, wo zur Linken (Nr. 21) der Zwierleinshof, ein Gebäude aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, liegt. Hier lebte von 1825 bis 1850 die Rheingauer Dichterin der ausgehenden Romantik Adelheid von Stolterfoth.
Die Behlstraße begleitet uns weiter bis zum Bahnübergang, wo wir nach links in die Bahnstraße einmünden und zum Innenhof von Schloss Kosakenberg gehen. Der zweiflügelige Spätrenaissancebau wurde 1681/83 als Sommerresidenz von Erzbischof Anselm Franz von Ingelheim erbaut.
Letzte Änderung: 02.09.2011 07:14 Uhr




