Wirtschaftsstandort Geisenheim

Mittelzentrum mit guten Verkehrsanbindungen
Geisenheim liegt am südlichen Rand des Rheingau-Taunus-Kreises in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadt Rüdes­heim am Rhein. Die Silhouette der Stadt wird durch die gotische Pfarrkirche aus dem 12. Jhd., auch als „Rhein­gauer Dom“ bezeichnet, bestimmt.
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau gegründet, heute die international renommierte Forschungsanstalt für Obst-, Weinbau, Getränketechnologie und Landespflege. Forschungsanstalt und Fachhochschule Wiesbaden bilden an dem in Geisenheim ansässigen Fachbereich derzeit über 1.000 Studenten der Fachrichtung Gartenbau, Landschaftsarchitektur, Weinbau und Oenologie, Getränketechnologie und internationale Weinwirtschaft aus. Mit mehreren allgemeinbildenden Schulen, einer Sonderschule, zwei Berufsfachschulen und zwei Gymnasien gilt Geisenheim auch als Schulstadt des Rheingaus. Seit September 2003 hat die Internatsschule “Schloß Hansenberg“, ein Oberstufeninternat für besonders leistungsfähige Jugendliche, den Lehrbetrieb aufgenommen.
Zu Geisenheim gehören die Stadtteile Stephanshausen, Marienthal mit Kloster und Wallfahrtskirche aus dem 14. Jhd. und Johannisberg, dessen gleichnamiges Schloß durch seine Höhenlage dem westlichen Rheingau einen besonderen Akzent verleiht.
Geisenheim gilt als selbständiges Mittelzentrum mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten sowie kulturellen und sozialen Einrichtungen. Geisenheim verfügt über eine gute Verkehrsanbindung durch die Bahnlinie Koblenz-Wiesbaden und die B 42 nach Wiesbaden. Zur hessischen Landeshauptstadt verkehrt eine Buslinie. Die Entfernung zum Autobahnanschluß der B 42 an die A 66 bei Wiesbaden in Richtung Frankfurt beträgt 20 km, zum Flughafen Frankfurt/Main etwa 50 km. Über das Schiersteiner Kreuz der A 66 besteht eine Anbindung an den Raum Mainz zur A 60/A 61 Köln/Koblenz/Ludwigshafen. Die Stadt Geisenheim hat derzeit rund 12.000 Einwohner, ca. 8 % mehr als 1987. Durch ein Wohnbaulandpotential von ca. 11 ha dürfte auch zukünftig mit einem weiteren Bevölkerungsanstieg zu rechnen sein.
Veränderte Wirtschaftsstruktur
Im Zeitraum 1987-2007 wandelte sich die Wirtschaftsstruktur. Insgesamt war bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine Abnahme um 1.122 Beschäftigte zu verzeichnen. Im Produktionsbereich ging die Beschäftigtenzahl um mehr als 1.600 auf zuletzt rund 630 zurück. Dieser Rückgang konnte durch die Zunahme von ca. 200 Beschäftigten im gesamten Dienstleistungssektor nicht ausgeglichen werden.
Das größte Unternehmen, die MAN Roland Druckmaschinen AG mit rund 350 Mitarbeitern hat 2006 den Standort in Geisenheim geschlossen. Die Ferrostaal Industrieanlagen GmbH, ein Unternehmen des Präzisionsmaschinenbaus mit 200 Beschäftigten bleibt in Geisenheim. Die genannten Unternehmen sind dem High-Tech-Bereich zuzuordnen und werden zu den Technikfeldern Produktions- und Verfahrenstechnik bzw. Meß- und Regeltechnik gezählt. Weitere High-Tech-Unternehmen sind die ESKA-Kunststoff­technik GmbH & Co. sowie die Wachendorff-Prozeßleittechnik und Elektronik KG. Letzteres Unternehmen ist dem Technikfeld Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Umwelttechnik zuzuordnen. Die ESKA GmbH & Co. zählt zum Technikfeld Medizintechnik und Neue Werkstoffe.
Die Firma Erbslöh Geisenheim AG gilt als führendes Unternehmen im Bereich der Getränketechnologie. Im Austausch mit der Forschungsanstalt sowie Lehranstalten und Instituten im In- und Ausland werden praxisgerechte Problemlösungen im Getränkebereich entwickelt und angeboten.
Seit 2008 hat die Fa. GAT, Gesellschaft für Antriebstechnik einen Teil der ehemaligen MAN-Liegenschaften erworben. Das international ausgerichtete Technologieunternehmen aus der Sparte Spezialmaschinenbau beschäftigt über 100 Mitarbeiter und befasst sich neben dem Maschinen- und Anlagenbau für die Automobil- und Luftfahrtindustrie auch mit der Herstellung von Bauteilen zur regenerativen Energiegewinnung wie z.B. Windkraftanlagen.
Die bisherigen punktuellen Bemühungen zur Nutzung der Solarenergie sollen zu einem umfassenden Programm „Solarstadt Geisenheim“ ausgebaut werden, mit dem Ziel, die Solarenergie verstärkt zu nutzen und die Produktion von Solarzellen für Geisenheim zu gewinnen. In einem Solaranlagenkataster sind mittlerweile ca. 40 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von über 450 kWp erfasst.
 
Gewerbeflächen
In Geisenheim besteht ein Gewerbegebiet östlich des Stadtkerns. Die Gesamtgröße beträgt rund 30 ha.
Im Gewerbegebiet stehen noch ca. 2,5 ha unbebaute, baureife gewerbliche Reserveflächen zur Verfügung. Nach der Standortaufgabe durch die MAN-AG stehen darüber hinaus ca. 5 ha bebaute Liegenschaften für neue Nutzungen zur Verfügung.
Für dieses Gewerbeflächenpotential besteht Baurecht durch einen Bebauungsplan nach § 30 Abs. 3 BauGB (einfacher Bebauungsplan). Die sonstigen Zulässigkeitsvoraussetzungen richten sich nach § 34 BauGB (Vorhaben innerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile).
Ein Standortmanager ist ansiedlungswilligen Betrieben bei der Standortsuche und Baurechtschaffung behilflich.
Weitere 5,5 Ha können im Rahmen der Bauleitplanung binnen kurzer Frist baureif gemacht werden.
Im Rahmen des Förderprogramms „Stadtumbau in Hessen“ wird derzeit in Kooperation mit den restlichen Rheingaugemeinden die Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebietes in Geisenheim angestrebt.
Letzte Änderung: 21.01.2011 10:21 Uhr